Die AG Verzicht der A4F

Eine Veröffentlichung in unserem Sinn hat die Arbeitsgemeinschaft Verzicht der Architekt*inn*en fĂŒr die Zukunft Architects 4 Future auf ihre Website gesetzt. Da sie nicht barrierefrei zu lesen ist, stellen wir sie hier als PDF zum Download zur VerfĂŒgung. Unser Dank gebĂŒhrt Sabine SĂŒhlo, die uns das ermöglicht.

Sehr geehrte Herren und Damen!

Wenn Sie den ersten Abschnitt unfallfrei lesen konnten, sind Sie in mehreren Welten Zuhause, wissen zumindest von verschiedenen Sprachen und Ausdrucksweisen, kennen AbkĂŒrzungen und Themensetzungen. Es ist die FĂŒlle, mit der wir zu tun haben, die Vielfalt. Wenn wir von Verzicht lesen, klingt das nach Abbau und Armut. Die Arbeitsgemeinschaft Verzicht hat in ihrem Papier einen eigenen Ausdruck fĂŒr eine Lebenshaltung formuliert, die am Menschen Maß nimmt, nicht am Budget und nicht am Mainstream.

Wir mĂŒssen Bedingen schaffen, unter denen wir verzichten können.

AG Verzicht, A4F

Wie das gehen kann, wird grob skizziert. Wie wir das umsetzen, wird zu diskutieren sein. Das Papier ist nah an den Fragen, die auch wir und die Interessentinnen haben, die sich in der Zeit der Pandemie bei uns melden, weil sie hier leben wollen. Der erste Block ist immer die Versorgung im Alter. Viele Wohnprojekt lösen diese Forderung ein. Archichtektinnen können bei der Planung eines Wohnprojekt darauf einwirken, dass menschenwĂŒrdiges Leben möglich ist. Manche Entscheidung wird fĂŒr Ottilie Normalverbraucherin schwer nachvollziehbar sein (wer kennt sich schon mit Baustoffen aus?).

Wir danken den Archiktektinnen, die sich fĂŒr unsere Zukunft engagieren, sehr herzlich.

Links

https://naturbauweise.de/

https://www.architects4future.de/

Morgenandacht mit uns

Nicole Richter war so freundlich, Tomke Gerdes zu interviewen. So erfahren Sie Einiges ĂŒber unser Leben auf dem Hof und unser Christsein. Wir sind der einzige moderne Beginenhof mit einer Kirche (die wir uns nicht mehr leisten können, weshalb wir sie aufgeben mĂŒssen). Nicole Richter erinnert an Marguerite PorĂšte, die kaum noch bekannt ist. Sie war eine Begine, eine glĂ€ubige Frau, die ihren Erfahrungen und Gotteserfahrungen traute – was wiederum der Kirche nicht passte, weswegen man sie auf dem Scheiterhaufen verbrannte. Wir sind heute nicht mehr in der Gefahr, auf dem Scheiterhaufen zu landen. Das Leben auf dem Beginenhof ist ein Leben mit Frauen-SolidaritĂ€t, mit der gemeinsamen Suche nach dem richtigen, guten Leben, keine halben Sachen, deshalb auch nicht immer einfach, aber immer voll Liebe.

Marguerite PorĂšte und die Beginen heute – Eine Morgenandacht von Nicole Richter im WDR.

Das Manuskript

Kirche in WDR 2 | 26.09.2020 | 05:55 Uhr

Marguerite PorĂšte und die Beginen heute

Autorin: Die Flammen lodern hoch – Menschen drĂ€ngen sich dicht an dicht. Sie alle wollen dabei sein. Es ist Sommer1310. Heute soll Marguerite PorĂšte auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Ihr Buch „Spiegel der einfachen Seelen“ hat viele verĂ€rgert, weil sie der kirchlichen Moral eine neue, mystische Freiheitslehre entgegensetzt. Marguerite PorĂšte gehört zu den Beginen. Einer Bewegung von Frauen, die sich im 13. Jahrhundert fĂŒr ein selbstbestimmteres Leben einsetzen. Denn: Damals konnten Frauen sich nur zwischen Ehe und Kloster entscheiden. Auch wenn Frauen heute mehr Wahlmöglichkeiten haben, gibt es sie trotzdem noch, die Beginen. Dr. Tomke Gerdes, 43 Jahre alt, zwei Kinder, lebt im Beginenhof in Bochum.

O-Ton: Es ist im Prinzip eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft hier auf unserem Hof. Wir helfen uns gegenseitig im Alltag z.B. bei Kinderbetreuung oder EinkĂ€ufen, sind fĂŒreinander da, nehmen Anteil am Leben der Anderen, allerdings ohne Familienersatz zu sein.

Autorin: Es ist eine besondere AtmosphÀre, eine Oase mitten im Ruhrgebiet. Unweit von Bochum am Rand eines Landschaftsschutzgebietes stehen sechs DoppelhÀuser und drei EinfamilienhÀuser;

O-Ton: Unsere Kirche ist unser Mittelpunkt auf dem Hof, weil wir alle christlichen Glaubens sind. Wir kÀmpfen allerdings um die Finanzierung.

Autorin: Zwei Mal in der Woche feiern sie in ihrer Kirche ein Nachtgebet, meditieren, schweigen, singen zusammen – wenn nicht gerade Corona ist. FĂŒr ihr eigenes spirituelles Leben, aber auch als Einladung fĂŒr Menschen aus dem Stadtteil.

O-Ton: Was uns grundsÀtzlich beschÀftigt, ist die Frage: Was macht Begine sein aus heute? Wie wollen wir in unserer Gemeinschaft leben? Was kriegen wir neben der Kinderbetreuung in unserer Gemeinschaft gestemmt? Wie finanzieren wir die GemeinschaftsflÀchen? Das sind so Themen, die in unseren Hofrunden immer wieder aufkommen und die auch wichtig sind.

Autorin: Die kleinste Wohnung kostet kalt ca. 550 € plus Nebenkosten. Dazu kommen noch Umlagen fĂŒr GemeinschaftsrĂ€ume, eine Unterkunft fĂŒr ÜbernachtungsgĂ€ste und die kleine Kirche. FĂŒr viele Frauen, die alleinstehend sind, ist das viel Geld. FĂŒr das sie aber auch viel bekommen: tolle Wohnungen in unterschiedlichen GrĂ¶ĂŸen in einer dorfĂ€hnlichen AtmosphĂ€re. Dr. Tomke Gerdes bringt die Besonderheit des Wohnprojektes so auf den Punkt:

O-Ton: Kurz gesagt, es ist eine weltoffene, ökumenische Frauengemeinschaft, die vor allen Dingen SolidaritĂ€t untereinander lebt. Und wir haben eine mittelalterliche Tradition, das heißt, die historischen Wurzeln geben auch Kraft fĂŒr das, was wir gemeinsam anpacken möchten.

Autorin: Im Dachverband der Beginen sind sie europaweit vernetzt. So lebt der Geist einer Elisabeth von ThĂŒringen, Mechthild von Magdeburg und Marguerite PorĂšte bis heute weiter. Auch wenn sich die Zeiten Gott sei Dank geĂ€ndert haben, teilen die modernen Beginen ihr altes Ziel: Ein selbstbestimmtes, freies Leben in einer solidarischen Gemeinschaft von Frauen.

Weitere Informationen:

www.beginenhof-bochum.de (zuletzt abgerufen am:14.08.2020)

https://www.neue-wohnformen.de(zuletzt abgerufen am:14.08.2020)

www.historisches-lexikon-bayerns.de (zuletzt abgerufen am:14.08.2020)

https://www.heiligenlexikon.de/Orden/Beginen.htm (zuletzt abgerufen am:14.08.2020)

https://www.dachverband-der-beginen.de (zuletzt abgerufen am:14.08.2020)

Quellenangaben:
Pierre Stutz „Geborgen und frei – Mystik als Lebensstil“

https://pierrestutz.ch/geborgen-und-frei-4/ (zuletzt abgerufen am:14.08.2020)

https://www.randomhouse.de/Buch/Geborgen-und-frei/Pierre-Stutz/Koesel/e541932.rhd (zuletzt abgerufen am:14.08.2020)

Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

Beim AufrÀumen fanden wir diese Warnung

Sie kennen das: Erst schiebt eine das AufrĂ€umen (Staubwischen, Briefschreiben, … ) vor sich her, dann kann eine gar nicht aufhören. Wir waren heute immerhin zu dritt. Die Eine putzte das Klavier (auseinandernehmen, putzen, wieder zusammensetzen; nein, es sind keine Teile ĂŒbrig geblieben), die Andere ordnete das Besteck („Kann das weg?“), die Letzte kramte in den Papieren und fand dabei dies:

Diese „Warnung“ entspringt der christlichen Lebensweise der ersten Generation der Beginen, die im Beginenhof „Sinte Elisaneth“ in Amandsberg (bei Gent) wohnten

Warnung

Wer in meine RĂ€ume kommen will,
soll keines Menschen Fehler erzÀhlen:
Seid fröhlich; sprecht von Gott!
Verleumdung ist hier verboten!

Ich begreife niemanden in seinem Sein,
denn ich habe genug an meinem:
Es ist auch gegen unsere Last,
die Gott uns angepasst.

Wenn wir vor Liebe brennen,
sehen wir keine MĂ€ngel,
keines anderen Menschen Missetat,
vielmehr unsere eigene Last.

Lasst uns leben ohne Klagen,
wollen wir uns an Gott erfreuen.
Seid demĂŒtig bis auf den Grund,
und ehrlich mit dem Mund.

Lebt ihr gern in Einigkeit,
haltet eure Seele in Frieden!

Und solltet ihr in große Not geraten,
wenn ihr bei Menschen sein mĂŒsst,
und hört dort manchmal traurige Geschichten,
vertraut auf Gott, der euch retten kann:

Die den Willen Gottes wÀhlt,
gewinnt alle Zeit und ist nie verlassen.

…………….

Diese „Warnung“ war als Lebensregel ein tĂ€glicher Brunnen der Inspiration fĂŒr alle Beginen in diesem „Hof“, die darum wetteiferten, Gott und ihre NĂ€chsten lieb zu haben und ihnen zu dienen.
Auch viele andere Bewohnerinnen (Nicht-Beginen) diese „Hofes“ ließen sich von dieser Lebensregel der Beginen inspirieren. In einigen HĂ€usern im „St. Elisabeth-Hofes“ hat es bis heute einen festen Platz.

Im Original:

Dese „Waerschouwinge“ ist ontsproten aan de christelijke levenswijsheid van de eerste generatie begijnen, die woonden in het Begijnhof „Sinte-Elisabeth“ te Sint – Amandsberg (bij Gent)

WAERSCHOUWINGE

DIE wilt koĂłmen in myn‘ Zaelen,
Mag niemands gebrek verhaelen:
Zyt vrolyk; en spreékt van God:
Agterklap is hier verbod.
Ik begryp niemand in t‘ zyne,
Want ik heb genoeg aen ‚t myne:
‚T is ook tegen onzen last:
God heéft dit alzoo gepast.
Waeren my met liefd‘ ontsteĂ©ken,
Wy zagen geene gebreéken,
Noch geen ander mans misdaed;
Maer alleen ons eygen kwaed.
Laet ons leéven zonder kleegen,
Willen wy aen God behaegen.
Zyt ootmoedig in den grond,
En gestigtig in den mond.
Houd u geĂȘrn in eenigheden,
Zoo bewaert g’uw ziel in vrede:
En ‚t zal u zyn groote pyn,
Als gy moet by menschen zyn.
Hoort gy somtyds droeve maeren,
Peyst op God, die u kan spaeren:
Die den Wille Gods verkiest,
Wint altyd, en nooyt verliest,
……………………………………………………………………

Deze „Waerschouwinge“, als leefregel was een dagelijkse inspiratiebron voor alle begijnen in dit „Hof“, die zich ijverden om God en hun naasten lief te hebben en te dienen.
Ook vele andere bewoners (niet-begijnen) van dit „Hof“ inspireerden zich aan deze leefregel van de begijnen. In menig huis in het „Sinte-Elisabteh-begijnhof“ heeft het ook nĂș een vaste plaats.

Schön, oder?

Unserer leere Kirche

Das Sonnenlicht fÀllt strahlend durch die Fenster in den offenen Raum und lÀsst die Staubkörner in der Luft tanzen.

Ich sitze in einem Stuhlkreis, aber alle anderen StĂŒhle sind leer. Sie stehen im Abstand von 2 m zueinander und bilden so einen sehr großen Kreis, der viel Raum zum Atmen lĂ€sst – aber auch eine vielleicht eher unerwĂŒnschte Distanz spĂŒren lĂ€sst.

WĂ€hrend ich hier sitze und der Stille lausche, sehe ich am Boden die hereingewehten Samenwolken der Pappeln. Es ist sehr still und vielleicht sogar ein bisschen einsam.

Meine Augen schweifen von Stuhl zu Stuhl und plötzlich sehe ich die Frauen dort sitzen, wie wir in der letzten Hofrunde voneinander gehört und berichtet haben, wie wir gelacht haben und wie wir kurze Zeit spĂ€ter gebannt der Musik von Carina und Kati gelauscht haben. Ich erinnere, wie wir Gedanken ausgetauscht und uns von unseren Sorgen berichtet haben. Mindestens genauso prĂ€sent ist es mir, wie wir uns gegenseitig berichten konnten, wie gut es uns trotz allem hier geht. In mir entsteht ein warmes und wohliges GefĂŒhl der NĂ€he. Die Melodien der Musik klingen mir in den Ohren und ich höre, wie draußen schon wieder Kinderlachen erklingt.

Ich sitze in einer leeren Kirche, die fĂŒr mich doch so voller Leben ist. Im Moment ist unsere Kirche nicht nur Kirche, sondern ein lebendiger Raum der Begegnung in diesen merkwĂŒrdigen Zeiten.

Claudia

Masken auf dem Hof und ein ungelöstes Problem

Wir haben unsere eigene Masken-Designerin und sind gut ausgestattet.

Schnauze
Falte
Gummi
BĂ€nder
groß
klein

Wir sind eine Wohltat fĂŒr unsere Umgebung, halten Abstand und waschen uns die HĂ€nde. Aber ein Problem haben wir noch nicht gelöst: Was ist mit denen, die ohne Mimik nicht kommunizieren können? Als erste meldeten Gehörlose das Problem an. Bei genauerem Hinsehen fallen einem noch Ă€ltere Menschen, Fremdsprachler, Kinder und Menschen mit EinschrĂ€nkungen im intellektuellen Bereich ein. Uns fehlt der persönliche Kontakt, die BerĂŒhrung. Wir merken auch, dass unsere Kontakte umfangreich sind. Wir hören, sehen, fĂŒhlen, schmecken, riechen und bringen das alles in unsere soziale Kontaktpflege ein.

Es gibt Anleitungen fĂŒr Masken mit Kunststofffenster. Eine davon habe ich getestet und bin zu dem Schluß gekommen, dass das keine Lösung ist.

no mask pride

Zwar ist das Mundbild zu sehen, aber leider ist die Mimik komplett verhunzt, weil es kein vertrautes Gesichtsbild gibt. Dann doch lieber Schnauze, meine Lieblingsform. Die riecht schon ein bisschen wie die Schmusedecke von Linus. Aber im Ernst: Wir suchen weiter nach einer menschenfreundlichen Lösung. Wenn Sie was wissen, kommentieren Sie bitte.


Ein paar Links:

https://www.quarks.de/gesellschaft/wissenschaft/was-man-ueber-schutzmasken-in-zeiten-von-corona-wissen-muss/

https://www.sputnik.de/podcasts/audio-1382950_zc-7be4dc25_zs-375e8a9c.html
Was Corona mit unserer Psychologie macht. Hier Folge 15: Maske.

Was heißt eigentlich „moderne Beginenbewegung“ ?

Als ich vor einigen Monaten auf den Beginenhof zog, war mir die Beginenbewegung bekannt, aber was das heute bedeutet, wusste ich nicht. Und ich weiß es immer noch nicht. Die ersten Beginen wĂ€hlten eine Lebensform, die sich frei entwickelte, aber immerhin in einem christlich geprĂ€gten Weltbild stand. Darum entstanden die meisten Beginenhöfe in kirchlicher NĂ€he und wurden entweder von der Kirche und ihren Entscheidern gepflegt oder bekĂ€mpft.

Zuerst ignorieren sie dich,

dann lachen sie ĂŒber dich,

dann bekÀmpfen sie dich

und dann gewinnst du.

https://www.zitate-online.de/sprueche/historische-personen/18623/zuerst-ignorieren-sie-dich-dann-lachen-sie.html

Die Forschungslage ist nicht eindeutig, die Quellen ungesichtet, manche Wissenschaftlerinnen sind „am Ball“, aber es gibt auch allerhand Ungereimtes und viel wilde Bilder, was denn dieses Begine-sein sei. BerĂŒhmte Mystikerinnen sind aus dieser Bewegung hervorgegangen. Es macht Freude, den einzelnen Spuren nachzugehen. Wir treffen auf Newsletter und Vereine und Wohnprojekte und BĂŒcher und engagierte Frauen. Einer der neueren Artikel ist auf einem Portal fĂŒr SpiritualitĂ€t im vergangen Jahr erschienen. Er gibt einen guten Überblick, aber er ist auch gefĂ€rbt durch eine die Kirche ablehnende Sicht und das Bewusstsein, sein Leben meistern zu können. In dem Artikel werden Mystikerinnen erwĂ€hnt, die aber dieser Weltsicht untergeordnet werden.

Unser Beginenhof gehört zum Dachverband der Beginen in Deutschland und hat eine Kirche auf seinem GelĂ€nde. Der Dachverband lebt FrauensolidaritĂ€t, die Kirche ist Teil der katholischen Kirche und von der Pfarrei gepachtet. Wir sind hier von unserer GrĂŒndung her auf das Christentum in ökumenischer Weise ausgerichtet, leben aber in dieser Welt. Das heißt: Wir sind wir. Eine gute Idee wĂŒrde schlecht, wenn sie die Menschen ignorieren wĂŒrde, die an ihr beteiligt sind. Wir leben hier in diesem Beginenhof miteinander in sehr verschiedenen LebensentwĂŒrfen und mit weit entfernt liegenden Lebenszielen in Respekt und Liebe. Das, so denken wir, ist unsere Schnittmenge, die sich auswirkt. Ich persönlich denke, dass ich meine Ziele nicht mit Gewalt, welcher Art auch immer, durchsetzen kann, erst recht dann nicht, wenn es um das Reich Gottes geht. Ich versuche, in der Spur von Jesus Christus zu gehen. Um mich herum leben Menschen, denen anderes wichtig ist, manchmal aber auch genau das.

Ein Ă€lterer Blogbeitrag eines Mannes bringt dieses Anliegen interessiert zum Ausdruck. Er beobachtet und bewertet nicht. Es wird deutlich, dass Vieles im Fluss ist. Wir leben ja auch. Ob es gut wird oder nicht, werden wir in 100 Jahren eventuell sagen können. Darum passen aktuelle Entwicklungen des Miteinander Arbeitens besser als die verschulte Weitergabe von Wissen. Wir wissen nicht, was richtig ist. Wir leben miteinander. Das ist was völlig anderes als die vermutete Besserwisserei von Frauen, die sich abseits der Welt bewegen. Mystik heißt fĂŒr manche von uns, in die Tiefe zu gehen. FĂŒr andere wiederum heißt es gar nichts. Wir pflegen Nachbarschaft, wir lernen voneinander und miteinander. Und wir lassen keine Feier ausfallen. Die Idee, dass gemeinsam lebende Frauen sozial tĂ€tig sind, passt gut in das FrauenĂŒbergewicht in der Care-Arbeit. Wir stehen mit unserem Engagement nicht im Fokus der Öffentlichkeit. Das macht es manchmal schwer. Wir sind TĂ€terinnen der Mystik. Das schreibe ich nur so als Schlagwort zur Verteidigung. Lieber ist uns allen hier, das Leben einfach zu leben. Wir lassen keine/n zurĂŒck, aber wir sind auch nicht die Retterinnen der Welt.

Meerblick als Hintergrund. Aufschrift "Man lÀsst keine Menschen ertrinken.Punkt." Logo der Aktion United for Rescue

Irgendwie ist dieses neue Beginentum in erster Linie etwas Frauenbewegtes, ohne dass wir dies definieren wĂŒrden.

Halleluja! 2020

Der Herr ist auferstanden.

Wir haben von der Gemeindereferentin unserer Pfarrei Osterkerzen fĂŒr alle auf dem Hof bekommen und die meisten haben sich ihre Kerzen geholt oder sich einfach gefreut, eine zu bekommen. Wir haben sogar zweimal am Ostersonntag gesungen: Einmal mit dem Flashmob um 10.15 Uhr und einmal um 11.00 Uhr. Jede, wie sie kann und alle miteinander.

Die Sonne schien den ganzen Tag wunderbar, am blauen Himmel erschienen nach und nach Wolken, weiße Wolken, aber es regnete nicht. Hier und da tauchten Ostergaben auf. Man kann nur vermuten, wo die alle herkamen (da sind wohl einige von uns Frauen auf eine Ă€hnliche Idee gekommen). Mancher Schoko-MarienkĂ€fer schmolz im Briefkasten vor sich hin.

Mit vielen anderen Christen folgten wir dem Aufruf, den Ostergruß mit Kreide auf den Hof (auf die Straße, auf den BĂŒrgersteig) zu schreiben.

„Können Sie unter diesen Bedingungen ĂŒberhaupt Ostern feiern?“ fragen manche erstaunt. Wir sehen auch das unterschiedlich. Wie auch immer ist Ostern ja kein Happyend. Darum dauert die Osterzeit 40 Tage, genau so lange wie die Fastenzeit, und endet mit dem Pfingstfest.

Mut zu Neuem, in welchen Ordnungen auch immer. Es braucht Zuversicht, Krisen aller Art ĂŒberwinden zu wollen. Und es braucht dazu in österlichem Licht den Segen der Verheißungen Gottes, die grĂ¶ĂŸer sind und KrĂ€ftigeres bewirken, als es durch alle Ängste und Nöte fĂŒr möglich gehalten wird.

Bischof Overbeck, Osterpredigt 12. April 2020

Wir sind dankbar fĂŒr Ermutigungen und gute Nachrichten. Aber natĂŒrlich sind wir nicht blauĂ€ugig. Wir wissen um die Not der FlĂŒchtlinge und der Obdachlosen und der Kranken und der vielen Menschen, die nun zur Gruppe der GefĂ€hrdeten gehören. Wir engagieren uns wo und wie wir können, jede auf ihre Weise und mit ihren Mitteln. Und unterwegs, so hoffen wir, begegnet und Christus, der Auferstandene. Wir erinnern uns an diesem Ostermontag an das Evangelium von den EmmausjĂŒngern und teilen einander in einer Threema-Gruppe Bilder von unseren Auferstehungserfahrungen mit. Wem diese Erfahrung fehlt, kann ruhig an den Erfahrungen der anderen teilnehmen. Wir eilen wie die Frauen, die vom Grab aus nach der Weisung des Engels zu den JĂŒngern rennen. Nur dass wir nicht rennen. Es sind 2000 Jahre seit Ostern vergangen. UngefĂ€hr. Aber unruhig sind wir schon. Es gibt Vieles, das wir verĂ€ndern wollen. Die Welt soll eine bessere werden. Es tut gut zu wissen, dass Christus mit uns geht – mit jeder auf ihrem Weg.

Der Herr ist auferstanden!

Wir sind quasi Öttepötten

Wenn Sie wissen wollen, was das soll, sollten Sie das hier hören:

Ein Italienurlaub in Finnland. Dies ist ein Link zum Kinderkanal Kakadu.

Der Coronavirus hĂ€lt uns Zuhause und wir hören viel Podcasts. Es gibt viele gute Angebote, man lernt viel, irgendwann ist der Kopf mehr als voll. Wir sind das Stressige ja gewohnt, aber jetzt? Das Gehirn will Futter. Wir sehen weniger Menschen, hören weniger Krach und schauen erstaunt zum Himmel hoch, wo neuerdings mehr zu sehen ist (nur keine Flugzeuge). Wir finden BĂŒcher. Jetzt haben wir Zeit zum Lesen. Und ab heute gilt das auch fĂŒr die SchĂŒler und SchĂŒlerinnen, denn die haben Ferien. Kein Home-Schooling 😉 mehr. Auch fĂŒr die Eltern eine Erleichterung.

Liegt es eigentlich am Coronavirus und seinen Auswirkungen, dass es nachts wieder kalt ist?

Masken oder nicht?

Wir können Ihnen da auch nicht weiterhelfen. Wir sind selber völlig ĂŒberfordert. Was kann man tun? Wie gesagt: Wir sind quasi Öttepötten (Haben Sie das Hörspiel (s.o.) schon genießen können?). Wir sind, die wir sind. Anderen Beginenhöfen geht es nicht anders. Sie singen abends um 19 Uhr von ihren Balkonen, zĂŒnden Kerzen an und stellen sie in ihre Fenster. So Sachen eben.

Es passiert etwas. Vielleicht werden wir bald eine neue Nachbarin haben. Es macht Freude, sich ĂŒber den Gartenzaun hinweg mit 2 Metern Abstand zu unterhalten. Wir haben bereits einige TomatenpflĂ€nzchen fĂŒr das Hochbeet. Wir probieren Videochats aus, da wir uns im Gemeinschaftsraum nicht treffen können zur Zeit. DadrĂŒber mĂŒssen wir diskutieren, denn es gibt Skype (pfui, kein Datenschutz) und Zoom (schlechte Presse) und Jitsi (kann nicht mehr als 5 Teilnehmer vertragen) und Big Blue Button (muss man sich fĂŒr anmelden, nein, bitte, nicht noch ein Konto).

Sie merken wahrscheinlich schon, dass Ihnen das hier auch nicht weiterhilft. Öttepötten, sag ich nur.

Wenn Sie Tipps fĂŒr schöne Hörspiele oder Podcasts haben, schreiben Sie die ruhig in einen Kommentar.


In Zeiten des Coronvirus

Wir haben GlĂŒck mit dem Wetter. In den ersten Tagen, in denen sich die Pandemie in Deutschland langsam in ihrer ganzen GrĂ¶ĂŸe zeigt, ist wunderbares Wetter. Der Bauer dĂŒngt. Nicht so schön. Die Sonne scheint. Sehr schön. Wir kriegen das mit dem Abstand sehr gut hin. Unser jĂ€hrliches Treffen der Vereinsfrauen des Beginen Heute e.V. muss verschoben werden. Wir haben Mail und Threema. Auf Threema sprechen wir kurze Nachrichten, in denen jede Hofbewohnerin ihre Situation schildert. Das ist fĂŒr manche Frauen Neuland. Aber es macht Spaß und funktioniert fĂŒrs Erste.

Dosentelefon

Wir sind erfinderisch. In diesen frĂŒhlingshaften MĂ€rztagen ĂŒberwiegen Lebensfreude und Zuversicht. Das hatten wir uns sowieso fĂŒr die Fastenzeit vorgenommen: mehr Zuversicht, weniger Pessimismus. Die Latte liegt hoch. Wir alle haben beruflich oder im persönlichen Umfeld mit den Schattenseiten der Pandemie zu tun. Warum nicht vertrauen? Wir ĂŒben. Noch gelingt es uns.

Heute sind die ersten Pflanzen neu in die GĂ€rten gesetzt worden. Unkraut .. ach, nein, eher das ÜberflĂŒssige haben wir entfernt. Ansonsten wĂ€chst hier alles, wie es will. Auch wir. Kommen Sie ruhig und schauen Sie es sich an. Aber halten Sie bitte 3 m Abstand, zu Ihrem und unserem Schutz. Mit etwas GlĂŒck finden Sie die Kirche geöffnet und können ein Lied singen, eine Kerze anzĂŒnden, ein Gebet sprechen. Wie Sie wollen. Sie sind herzlich willkommen.

Das Jahr der VerÀnderung

Das chinesische Jahr der Ratte ist auch das Jahr der VerĂ€nderung. Wir haben davon gelesen. Und wir wissen auch so, dass es in diesem Jahr einschneidende VerĂ€nderungen geben wird – fĂŒr einzelne Mitfrauen, aber auch fĂŒr uns als Beginengemeinschaft. Das wird nicht gerĂ€uschlos gehen.

Starry Night (interactive animation) from Petros Vrellis on Vimeo.

In diesem Video wird die FunktionalitĂ€t einer App vorgestellt, die durch Interaktion ein Bild von van Gogh in Bewegung bringt. NatĂŒrlich Ă€ndert sich das Bild nicht. Aber wir können mit der Idee dieser App und mit unserer Phantasie spielen. Es gibt Bewegung und Musik.

So spielerisch sind VerÀnderungen selten. Wir denken an

  • eine Operation
  • einen Stellenwechsel
  • einen Umzug
  • eine Trennung
  • eine Anschaffung
  • eine Investition
  • eine KĂŒndigung

und die guten VorsĂ€tze fĂŒr dieses Jahr.

An diesem Sonntag endet die Weihnachtszeit in der katholischen Kirche mit der Begegnung zweiter alter Menschen und dem Jesuskind mit seinen Eltern im Tempel. Wer im Lukasevangelium liest wird finden, dass zwei Menschen geduldig im Tempel auf den Erlöser gewartet haben. Auch das Warten ist eine Kunst. Manche VerĂ€nderung kann nur mit Geduld vollzogen werden. Und an vielen VerĂ€nderungen haben wir wenig Anteil. Manche VerĂ€nderungen können wir nur erleiden oder begrĂŒĂŸen. Und alles, was im Moment schmerzt, kann in wenigen Monaten die Ursache fĂŒr einen neuen Aufbruch sein. Chancen erkennen wir mitunter nur im Nachhinein.

Wir sind mutig. Wir sind ja nicht allein.

Ihnen und allen, die mit Ihnen sind, wĂŒnschen wir wohltuende VerĂ€nderungen. Lassen Sie sich vom Schmerz nicht abhalten. Wenn Sie es als notwendig erkannt haben, sollten Sie den Schritt gehen. Wir wissen nicht, ob es glĂŒckt. Aber wir packen zu. Wir ergreifen die Chance.

Wir sind voll Hoffnung. Wir haben Grund dazu.

Ihre Beginenfrauen

https://chinesenewyear2020.org/chinese-zodiac/rat

http://bestekinderapps.de/starry-night-app-45554

https://www.katholisch.de/artikel/158-ein-licht-fur-die-heiden