Unserer leere Kirche

Das Sonnenlicht fÀllt strahlend durch die Fenster in den offenen Raum und lÀsst die Staubkörner in der Luft tanzen.

Ich sitze in einem Stuhlkreis, aber alle anderen StĂŒhle sind leer. Sie stehen im Abstand von 2 m zueinander und bilden so einen sehr großen Kreis, der viel Raum zum Atmen lĂ€sst – aber auch eine vielleicht eher unerwĂŒnschte Distanz spĂŒren lĂ€sst.

WĂ€hrend ich hier sitze und der Stille lausche, sehe ich am Boden die hereingewehten Samenwolken der Pappeln. Es ist sehr still und vielleicht sogar ein bisschen einsam.

Meine Augen schweifen von Stuhl zu Stuhl und plötzlich sehe ich die Frauen dort sitzen, wie wir in der letzten Hofrunde voneinander gehört und berichtet haben, wie wir gelacht haben und wie wir kurze Zeit spĂ€ter gebannt der Musik von Carina und Kati gelauscht haben. Ich erinnere, wie wir Gedanken ausgetauscht und uns von unseren Sorgen berichtet haben. Mindestens genauso prĂ€sent ist es mir, wie wir uns gegenseitig berichten konnten, wie gut es uns trotz allem hier geht. In mir entsteht ein warmes und wohliges GefĂŒhl der NĂ€he. Die Melodien der Musik klingen mir in den Ohren und ich höre, wie draußen schon wieder Kinderlachen erklingt.

Ich sitze in einer leeren Kirche, die fĂŒr mich doch so voller Leben ist. Im Moment ist unsere Kirche nicht nur Kirche, sondern ein lebendiger Raum der Begegnung in diesen merkwĂŒrdigen Zeiten.

Claudia

Masken auf dem Hof und ein ungelöstes Problem

Wir haben unsere eigene Masken-Designerin und sind gut ausgestattet.

Schnauze
Falte
Gummi
BĂ€nder
groß
klein

Wir sind eine Wohltat fĂŒr unsere Umgebung, halten Abstand und waschen uns die HĂ€nde. Aber ein Problem haben wir noch nicht gelöst: Was ist mit denen, die ohne Mimik nicht kommunizieren können? Als erste meldeten Gehörlose das Problem an. Bei genauerem Hinsehen fallen einem noch Ă€ltere Menschen, Fremdsprachler, Kinder und Menschen mit EinschrĂ€nkungen im intellektuellen Bereich ein. Uns fehlt der persönliche Kontakt, die BerĂŒhrung. Wir merken auch, dass unsere Kontakte umfangreich sind. Wir hören, sehen, fĂŒhlen, schmecken, riechen und bringen das alles in unsere soziale Kontaktpflege ein.

Es gibt Anleitungen fĂŒr Masken mit Kunststofffenster. Eine davon habe ich getestet und bin zu dem Schluß gekommen, dass das keine Lösung ist.

no mask pride

Zwar ist das Mundbild zu sehen, aber leider ist die Mimik komplett verhunzt, weil es kein vertrautes Gesichtsbild gibt. Dann doch lieber Schnauze, meine Lieblingsform. Die riecht schon ein bisschen wie die Schmusedecke von Linus. Aber im Ernst: Wir suchen weiter nach einer menschenfreundlichen Lösung. Wenn Sie was wissen, kommentieren Sie bitte.


Ein paar Links:

https://www.quarks.de/gesellschaft/wissenschaft/was-man-ueber-schutzmasken-in-zeiten-von-corona-wissen-muss/

https://www.sputnik.de/podcasts/audio-1382950_zc-7be4dc25_zs-375e8a9c.html
Was Corona mit unserer Psychologie macht. Hier Folge 15: Maske.

Halleluja! 2020

Der Herr ist auferstanden.

Wir haben von der Gemeindereferentin unserer Pfarrei Osterkerzen fĂŒr alle auf dem Hof bekommen und die meisten haben sich ihre Kerzen geholt oder sich einfach gefreut, eine zu bekommen. Wir haben sogar zweimal am Ostersonntag gesungen: Einmal mit dem Flashmob um 10.15 Uhr und einmal um 11.00 Uhr. Jede, wie sie kann und alle miteinander.

Die Sonne schien den ganzen Tag wunderbar, am blauen Himmel erschienen nach und nach Wolken, weiße Wolken, aber es regnete nicht. Hier und da tauchten Ostergaben auf. Man kann nur vermuten, wo die alle herkamen (da sind wohl einige von uns Frauen auf eine Ă€hnliche Idee gekommen). Mancher Schoko-MarienkĂ€fer schmolz im Briefkasten vor sich hin.

Mit vielen anderen Christen folgten wir dem Aufruf, den Ostergruß mit Kreide auf den Hof (auf die Straße, auf den BĂŒrgersteig) zu schreiben.

„Können Sie unter diesen Bedingungen ĂŒberhaupt Ostern feiern?“ fragen manche erstaunt. Wir sehen auch das unterschiedlich. Wie auch immer ist Ostern ja kein Happyend. Darum dauert die Osterzeit 40 Tage, genau so lange wie die Fastenzeit, und endet mit dem Pfingstfest.

Mut zu Neuem, in welchen Ordnungen auch immer. Es braucht Zuversicht, Krisen aller Art ĂŒberwinden zu wollen. Und es braucht dazu in österlichem Licht den Segen der Verheißungen Gottes, die grĂ¶ĂŸer sind und KrĂ€ftigeres bewirken, als es durch alle Ängste und Nöte fĂŒr möglich gehalten wird.

Bischof Overbeck, Osterpredigt 12. April 2020

Wir sind dankbar fĂŒr Ermutigungen und gute Nachrichten. Aber natĂŒrlich sind wir nicht blauĂ€ugig. Wir wissen um die Not der FlĂŒchtlinge und der Obdachlosen und der Kranken und der vielen Menschen, die nun zur Gruppe der GefĂ€hrdeten gehören. Wir engagieren uns wo und wie wir können, jede auf ihre Weise und mit ihren Mitteln. Und unterwegs, so hoffen wir, begegnet und Christus, der Auferstandene. Wir erinnern uns an diesem Ostermontag an das Evangelium von den EmmausjĂŒngern und teilen einander in einer Threema-Gruppe Bilder von unseren Auferstehungserfahrungen mit. Wem diese Erfahrung fehlt, kann ruhig an den Erfahrungen der anderen teilnehmen. Wir eilen wie die Frauen, die vom Grab aus nach der Weisung des Engels zu den JĂŒngern rennen. Nur dass wir nicht rennen. Es sind 2000 Jahre seit Ostern vergangen. UngefĂ€hr. Aber unruhig sind wir schon. Es gibt Vieles, das wir verĂ€ndern wollen. Die Welt soll eine bessere werden. Es tut gut zu wissen, dass Christus mit uns geht – mit jeder auf ihrem Weg.

Der Herr ist auferstanden!

Gebet am GrĂŒndonnerstag

Wir sind alle in unseren Wohnungen. Aber Gebetsimpulse gibt es genug. Wir lesen in Abschnitten die Abschiedsrede Jesu an seine JĂŒnger aus dem Johannesevangelium. Wir nutzen die Texte der Bibel in gerechter Sprache.
Jede sucht sich einen Ort der Ruhe.
Unsere Gemeinschaftsvorlage ist diese:

Eine Nacht des Wachens

Beginn 21 Uhr

Eröffnung:    Gott, Mutter und Vater, wir beten und wachen in dieser Nacht.
Du bist uns nah und wir sind dir nah.
Wir erinnern uns und wir hören lesend auf dein Wort.

Johannes 13, 31-35
Taizelied Jesus, remember me

3 Minuten Stille
Johannes 14, 1-10 
Taizelied Aber du weißt den Weg fĂŒr mich 

3 Minuten Stille
Johannes 14, 15-17, 27-31

Sinfonie aus HÀndels Salomon 
Danach beginnt die Stille, keine Musik mehr bis in der Osternacht.

Taizelied Nada te turbe

3 Minuten Stille
Johannes 15, 9-17

Taizelied In manus tuas pater

3 Minuten Stille
Johannes 16, 12-15, 20-22

Taizelied BehĂŒte mich Gott

3 Minuten Stille
Johannes 16, 25-33

Taizelied Bleibet hier und wachet mit mir 

3 Minuten Stille
Nach seiner Abschiedsrede und dem Gebet fĂŒr seine JĂŒnger und die Welt, geht Jesus gemeinsam mit seinen JĂŒngern auf die andere Seite des Kidrontales, wo er verhaftet wird.

Wir beten den Psalm, mit dem er sterbend am Kreuz zitiert wird:
Psalm 22             
Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geist, so wie jetzt und Allezeit und in Ewigkeit. Amen. 

Taizelied Bleibet hier und wachet mit mir 


Die Sinfonia aus HĂ€ndels Salomon, die wir als Element gewĂ€hlt haben, können Sie beispielsweise hier hören, aber dann ĂŒbermitteln Sie Daten an Youtube. Oder Sie leihen Sich bei uns die ganze Oper auf 2 CDs.