Unserer leere Kirche

Das Sonnenlicht fÀllt strahlend durch die Fenster in den offenen Raum und lÀsst die Staubkörner in der Luft tanzen.

Ich sitze in einem Stuhlkreis, aber alle anderen StĂŒhle sind leer. Sie stehen im Abstand von 2 m zueinander und bilden so einen sehr großen Kreis, der viel Raum zum Atmen lĂ€sst – aber auch eine vielleicht eher unerwĂŒnschte Distanz spĂŒren lĂ€sst.

WĂ€hrend ich hier sitze und der Stille lausche, sehe ich am Boden die hereingewehten Samenwolken der Pappeln. Es ist sehr still und vielleicht sogar ein bisschen einsam.

Meine Augen schweifen von Stuhl zu Stuhl und plötzlich sehe ich die Frauen dort sitzen, wie wir in der letzten Hofrunde voneinander gehört und berichtet haben, wie wir gelacht haben und wie wir kurze Zeit spĂ€ter gebannt der Musik von Carina und Kati gelauscht haben. Ich erinnere, wie wir Gedanken ausgetauscht und uns von unseren Sorgen berichtet haben. Mindestens genauso prĂ€sent ist es mir, wie wir uns gegenseitig berichten konnten, wie gut es uns trotz allem hier geht. In mir entsteht ein warmes und wohliges GefĂŒhl der NĂ€he. Die Melodien der Musik klingen mir in den Ohren und ich höre, wie draußen schon wieder Kinderlachen erklingt.

Ich sitze in einer leeren Kirche, die fĂŒr mich doch so voller Leben ist. Im Moment ist unsere Kirche nicht nur Kirche, sondern ein lebendiger Raum der Begegnung in diesen merkwĂŒrdigen Zeiten.

Claudia

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