Unserer leere Kirche

Das Sonnenlicht fällt strahlend durch die Fenster in den offenen Raum und lässt die Staubkörner in der Luft tanzen.

Ich sitze in einem Stuhlkreis, aber alle anderen Stühle sind leer. Sie stehen im Abstand von 2 m zueinander und bilden so einen sehr großen Kreis, der viel Raum zum Atmen lässt – aber auch eine vielleicht eher unerwünschte Distanz spüren lässt.

Während ich hier sitze und der Stille lausche, sehe ich am Boden die hereingewehten Samenwolken der Pappeln. Es ist sehr still und vielleicht sogar ein bisschen einsam.

Meine Augen schweifen von Stuhl zu Stuhl und plötzlich sehe ich die Frauen dort sitzen, wie wir in der letzten Hofrunde voneinander gehört und berichtet haben, wie wir gelacht haben und wie wir kurze Zeit später gebannt der Musik von Carina und Kati gelauscht haben. Ich erinnere, wie wir Gedanken ausgetauscht und uns von unseren Sorgen berichtet haben. Mindestens genauso präsent ist es mir, wie wir uns gegenseitig berichten konnten, wie gut es uns trotz allem hier geht. In mir entsteht ein warmes und wohliges Gefühl der Nähe. Die Melodien der Musik klingen mir in den Ohren und ich höre, wie draußen schon wieder Kinderlachen erklingt.

Ich sitze in einer leeren Kirche, die für mich doch so voller Leben ist. Im Moment ist unsere Kirche nicht nur Kirche, sondern ein lebendiger Raum der Begegnung in diesen merkwürdigen Zeiten.

Claudia

„Leben nach historischem Vorbild“ – Neues Ruhr-Wort

Ulrike Beckmann hat uns für das Neue Ruhrwort interviewt. Der Beitrag ist in der Ausgabe 6. Jahrgang, Nummer 43 vom 26. Oktober 2019 erschienen.

Frau Beckmann hat die Stimmung auf unserem Hof sehr gut widergegeben. Der Bericht ist sehr persönlich und erzählt neben unserer Verletzlichkeit im Persönlichen auch unsere Stärken in der Gemeinschaft. Leider muss auch hier die Sorge um den Erhalt unserer Kirche thematisiert werden. Finanziell können wir sie nicht halten, aber sie bedeutet uns und unserer Umgebung viel. Da geht es uns nicht anders als vielen Gläubigen im Bistum Essen.