Was hei├čt eigentlich „moderne Beginenbewegung“ ?

Als ich vor einigen Monaten auf den Beginenhof zog, war mir die Beginenbewegung bekannt, aber was das heute bedeutet, wusste ich nicht. Und ich wei├č es immer noch nicht. Die ersten Beginen w├Ąhlten eine Lebensform, die sich frei entwickelte, aber immerhin in einem christlich gepr├Ągten Weltbild stand. Darum entstanden die meisten Beginenh├Âfe in kirchlicher N├Ąhe und wurden entweder von der Kirche und ihren Entscheidern gepflegt oder bek├Ąmpft.

Zuerst ignorieren sie dich,

dann lachen sie ├╝ber dich,

dann bek├Ąmpfen sie dich

und dann gewinnst du.

https://www.zitate-online.de/sprueche/historische-personen/18623/zuerst-ignorieren-sie-dich-dann-lachen-sie.html

Die Forschungslage ist nicht eindeutig, die Quellen ungesichtet, manche Wissenschaftlerinnen sind „am Ball“, aber es gibt auch allerhand Ungereimtes und viel wilde Bilder, was denn dieses Begine-sein sei. Ber├╝hmte Mystikerinnen sind aus dieser Bewegung hervorgegangen. Es macht Freude, den einzelnen Spuren nachzugehen. Wir treffen auf Newsletter und Vereine und Wohnprojekte und B├╝cher und engagierte Frauen. Einer der neueren Artikel ist auf einem Portal f├╝r Spiritualit├Ąt im vergangen Jahr erschienen. Er gibt einen guten ├ťberblick, aber er ist auch gef├Ąrbt durch eine die Kirche ablehnende Sicht und das Bewusstsein, sein Leben meistern zu k├Ânnen. In dem Artikel werden Mystikerinnen erw├Ąhnt, die aber dieser Weltsicht untergeordnet werden.

Unser Beginenhof geh├Ârt zum Dachverband der Beginen in Deutschland und hat eine Kirche auf seinem Gel├Ąnde. Der Dachverband lebt Frauensolidarit├Ąt, die Kirche ist Teil der katholischen Kirche und von der Pfarrei gepachtet. Wir sind hier von unserer Gr├╝ndung her auf das Christentum in ├Âkumenischer Weise ausgerichtet, leben aber in dieser Welt. Das hei├čt: Wir sind wir. Eine gute Idee w├╝rde schlecht, wenn sie die Menschen ignorieren w├╝rde, die an ihr beteiligt sind. Wir leben hier in diesem Beginenhof miteinander in sehr verschiedenen Lebensentw├╝rfen und mit weit entfernt liegenden Lebenszielen in Respekt und Liebe. Das, so denken wir, ist unsere Schnittmenge, die sich auswirkt. Ich pers├Ânlich denke, dass ich meine Ziele nicht mit Gewalt, welcher Art auch immer, durchsetzen kann, erst recht dann nicht, wenn es um das Reich Gottes geht. Ich versuche, in der Spur von Jesus Christus zu gehen. Um mich herum leben Menschen, denen anderes wichtig ist, manchmal aber auch genau das.

Ein ├Ąlterer Blogbeitrag eines Mannes bringt dieses Anliegen interessiert zum Ausdruck. Er beobachtet und bewertet nicht. Es wird deutlich, dass Vieles im Fluss ist. Wir leben ja auch. Ob es gut wird oder nicht, werden wir in 100 Jahren eventuell sagen k├Ânnen. Darum passen aktuelle Entwicklungen des Miteinander Arbeitens besser als die verschulte Weitergabe von Wissen. Wir wissen nicht, was richtig ist. Wir leben miteinander. Das ist was v├Âllig anderes als die vermutete Besserwisserei von Frauen, die sich abseits der Welt bewegen. Mystik hei├čt f├╝r manche von uns, in die Tiefe zu gehen. F├╝r andere wiederum hei├čt es gar nichts. Wir pflegen Nachbarschaft, wir lernen voneinander und miteinander. Und wir lassen keine Feier ausfallen. Die Idee, dass gemeinsam lebende Frauen sozial t├Ątig sind, passt gut in das Frauen├╝bergewicht in der Care-Arbeit. Wir stehen mit unserem Engagement nicht im Fokus der ├ľffentlichkeit. Das macht es manchmal schwer. Wir sind T├Ąterinnen der Mystik. Das schreibe ich nur so als Schlagwort zur Verteidigung. Lieber ist uns allen hier, das Leben einfach zu leben. Wir lassen keine/n zur├╝ck, aber wir sind auch nicht die Retterinnen der Welt.

Meerblick als Hintergrund. Aufschrift "Man l├Ąsst keine Menschen ertrinken.Punkt." Logo der Aktion United for Rescue

Irgendwie ist dieses neue Beginentum in erster Linie etwas Frauenbewegtes, ohne dass wir dies definieren w├╝rden.